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Es war soweit! Wir waren in Meiningen angekommen, das Auto wurde im Parkhaus gelassen und ab ging es in die große Kirche auf dem Marktplatz. Gleich am Eingang wurden wir ganz freundlich von einem jungen Mann empfangen. „Zum Bläserseminar? Dann seid ihr hier richtig! Bitte die Treppe rauf!“ Nun ja, schwer war es nicht zu erraten, dass wir Bläser sind, da doch die „Koffer“ von alleine reden. Hm, und das soll Sebastian Fuhrmann sein, so ein junger Organist? Ob er uns auch etwas wirklich Interessantes zu sagen haben wird? Ja, das hatte er, nachmittags im „Kulturprogramm“, als wir die Orgel von außen und innen kennen lernen durften. In der wunderbaren Orgelführung wurden sämtliche Register gezogen und wir durften sogar hinter die Orgel gucken, dort wo sich eigentlich die wirklichen, klingenden Pfeifen befinden. Und wer einmal „in“ der Orgel war, der nimmt die Orgelmusik anders auf.
Schön war es auch, dass wir in unmittelbarer Nähe der „Königin“ sein durften, denn alle 25 Teilnehmer hatten Platz auf der großen Orgelempore. Schon vor 10 Uhr warteten wir („nicht zu glauben, ihr seid schon alle da“, schmunzelte Matthias Schmeiß, Herz und Seele des Bläser-Orgel Seminars) ganz gespannt auf unseren Plätzen auf das, was auf uns zukommen würde. Und nun kommen wir eigentlichen zum Kern des Tages. Matthias Schmeiß hatte, wie immer, einige interessante, zum größten Teil unbekannte Stücke für uns ausgesucht. Nachdem er uns einige Gemeinsamkeiten („die Orgel und die Blasinstrumente gehen mit Luft“) und Unterschiede („ein Blasinstrument kann man immer bei sich haben, die Orgel weniger“) erwähnt hat, ging es ans Einblasen. Und da kann man echt staunen, wie vielfältig solch ein Einblasen gestaltet werden kann – ich war schon bei einigen Bläserseminaren, aber immer gab es andere Einblasübungen. Schritt für Schritt, Note für Note wurden die Stücke erarbeitet. Selbst die Seiten mit vielen „schwarzen Punkten“ wurden bewältigt; Stücke, von denen es hieß: „Dass die Vorzeichen hier fehlen ist kein Fehler, es ist gewollt; dafür gibt es aber viele <<Vorzeichen>> innerhalb des Stückes“, blieben nicht ungespielt. Die Überraschung kam vor der Mittagspause, als wir Communio (Alexandre Guilmant, „ein Stück in das man sich einfühlen muss“, so Matthias Schmeiß) und Intrada (Gustav Gunsenheimer) zusammen mit der Orgel gespielt haben. Dem ganz „braven“ Spiel des Bläserchors folgten tänzerische Einsätze der Orgel. Das war ein Zusammenklang!
Das Konzert im Anschluss?; sind für mich immer wieder ein Wunder! Wir kommen aus so vielen Richtungen, wir sind so verschieden, kennen uns kaum, haben fast nie miteinander musiziert und nach nur einigen Stunden des Übens – [wobei diesmal nur zwei Choräle und „Jesu bleibet meine Freude“ bekannt waren! und wir auch noch zusammen Mittag und Kaffee gemacht haben – wo neue Freundschaften/Bekanntschaften geknüpft wurden („Ach so, ihr seid über 30 Leute im Posaunenchor. Das ist aber schön. Wir sind nur 10.“ „Wir sind 15, die regelmäßig kommen, und über 20, wenn alle dabei sind. Aber nur Männer.“ „Und wo liegt Marisfeld?“) (an dieser Stelle, einen recht herzlichen Dank an die fleißigen Hände, die für unsere Verpflegung gesorgt haben)] – harmonieren wir ganz gut miteinander und trauen uns, unter Gottes Segen, zu einem Konzert. Mir stockte fast der Atem, als ich die Plakate sah, vor denen die Fußgänger stehen blieben und ins Konzert eingeladen wurden: KONZERT Bläser und Orgel / Ein Posaunenchor mit Musikern aus ganz Thüringen musiziert Werke von Bach, Guilmant, Gunsenheimer u.a / Orgel: Stadtkantor S. Fuhrmann / Leitung: Landesposaunenwart M. Schmeiß / Samstag, 16. Mai – 17 Uhr / Stadtkirche Meiningen / Eintritt frei! Das Konzert war gut besucht (sogar eine Touristengruppe war dabei!). Matthias strahlte viel Ruhe aus und „belohnte“ nach jedem Stück unser Musizieren mit einem ermutigenden Lächeln. Die Orgel bereicherte uns seelisch-musikalisch durch Solostücke von Dietrich Buxtehude und Louis Vierne (und brachte uns dadurch auch die so notwendige Lippenpause!). Am Ende wohl tuender Applaus, die Blasinstrumente kehrten in ihre Kisten zurück, wir verabschiedeten uns und jeder ging weiter seinen Weg. Doch ganz bestimmt anders als am Anfang des Tages. Denn ein solches Seminar beflügelt und lässt einen auftanken und aufblühen in der Gewissheit, dass man als Bläser nicht alleine ist, dass Musik verbindet, dass Musik verändert, dass viele „Einzelne“, die sich zusammenschließen – wenn auch nur für wenige Stunden – etwas Einmaliges zustande bringen können. Danke Matthias Schmeiß! Danke Sebastian Fuhrmann! Danke, Gott, für solche Menschen und für die Gaben, mit denen Du sie und uns beschenkt hast.
Elena Braun (Marisfeld), Posaunenchor Hildburghausen
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